Poliertipps für professionelles Polieren


Hochglanz verzeiht keine Kompromisse. Deshalb ist eine der wesentlichen Grundvoraussetzungen für eine perfekte Oberfläche eine optimal ausgerüstete Polierwerkstatt. Dazu gehören insbesondere geeignete Poliermaschinen, hochwertige Polierscheiben und eine Auswahl an hochwertigen Polierpasten, die aufgrund der Anforderung des jeweiligen Projektes ausgewählt wurden.

Einzigartige Polierergebnisse setzen zudem einige Grundkenntnis über die technischen Hintergründe des Polierens voraus. Deshalb informieren wir Sie im folgenden Artikel über die Grundlagen für professionelles Polieren und liefern Ihnen wertvolle Poliertipps für die Praxis der Oberflächenbearbeitung.

Inhalt


Technische Hintergründe des Polierens

Polieren ist ein mechanisches Verfahren zur Oberflächenglättung im Anschluss an das Schleifen. Ziel ist dabei, eine besonders gleichförmige Werkstückoberfläche zu erzeugen. Denn einerseits erfüllen polierte Oberflächen die höchsten ästhetischen Anforderungen hochwertiger Gebrauchsgegenstände. Andererseits werden für viele technische Anwendungen besonders glatte Oberflächen benötigt.

Beim Polieren geht es prinzipiell darum, die Rauigkeit der Oberflächen auf ein Minimum zu reduzieren, ohne dabei die bereits festgelegte Werkstückgeometrie zu verändern. Folglich darf das Polieren keine signifikanten Materialmengen abtragen.

Die Werkstoffwissenschaft geht heute davon aus, dass das Polieren im Wesentlichen auf zwei voneinander unterscheidbaren Prozessen beruht:

  • Beim mechanischen Polieren tragen einerseits die mikrofeinen Partikel der Polierpasten die Reste der aus vorhergehenden Bearbeitungsschritten verbliebenen mikroskopischen Rauhigkeitsspitzten und Grate schonend ab.
  • Andererseits treffen die in den Polierpasten eingearbeiteten Schleifkornpartikel mit den beim Polieren typischen, sehr hohen Schnittgeschwindigkeiten von bis zu 45 m/s auf die Werkstoffoberfläche auf. Daraus folgt am Auftreffpunkt ein sehr hoher Energieeintrag pro Flächeneinheit, der insbesondere bei Metallen und Thermoplasten zu einer plastischen Verformung der Störstellen führt. Im Ergebnis wird beim Polieren die Oberflächenstruktur ohne wesentlichen Materialabtrag geglättet.

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Polierpasten für rotierende Polierwerkzeuge

Am Polierbock werden rotierende Polierscheiben mit vielfältigem Besatzmaterial eingesetzt. Dabei wirken die Polierscheiben grundsätzlich wie ein neutrales Trägermaterial für die im Polierprozess aktiven, speziellen Polierpasten für rotierende Polierwerkzeuge. Diese Polierpasten bestehen aus einer festen Matrix hochschmelzender Fette und Wachse, in die je nach Anforderungsprofil gröbere bis feinste Poliermittel suspendiert sind. Polierpasten werden zudem auch in Form viskoser Emulsionen eingesetzt, insbesondere für die manuelle Politur mit Polierpads oder in der industriellen Verarbeitung, wenn das Poliermittel in kontinuierlichen Verfahren mit automatischen Dosiervorrichtungen zugeführt werden soll.

Die wirksamen Bestandteile von Polierpasten bestehen einerseits aus der schmierenden und kühlenden Matrix aus Ölen, Fetten und Wachsen und andererseits aus mikrokristallinen Polierkörnern unterschiedlicher Größe, Festigkeit, Härte und Kristallform. Nur das richtige Zusammenspiel aus kinetischer Energie, viskoser Pastenmatrix, erhöhter Temperatur und einer abrasiven Wirkung des Polierkörpers liefert den angestrebten Poliereffekt, der schließlich für die angestrebte Glättung der Oberflächenstruktur sorgt.

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Vielfältige Polierscheiben Kollage EICKELIT

Arten von Polierscheiben

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Grundsätze für das Polieren

  • Polierscheiben müssen vor und während ihrer Nutzung durch sorgfältiges Abrichten vorbereitet und gewartet werden
  • Ermitteln Sie sorgfältig die für Ihr Polierprojekt optimale Schnittgeschwindigkeit bzw. Drehzahl Ihrer Polierscheibe
  • Polieren Sie stets in Kreuzgängen, also quer zur Schleif-/Polierrichtung des vorhergehenden Arbeitsschrittes
  • Das Polieren muss im optimalen Temperaturbereich erfolgen, die Werkstückoberfläche darf also weder zu kalt, noch zu warm sein
  • Achten Sie für auf höchste Sauberkeit am Arbeitsplatz, um ein makelloses Hochglanzergebnis zu erzielen
  • Für jede eingesetzte Paste ist eine separate Polierscheibe erforderlich 
  • Polierscheiben dürfen keinesfalls mit Stäuben, Abrieb oder Polierscheiben der vorhergehenden Polierschritte in Berührung gebracht werden. Schon wenige Körner einer gröberen Paste können ein bereits erzieltes Polierergebnis wieder zerstören

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Polieren von Edelstahl

Grundlage für das Polieren von Edelstahl ist ein feiner und besonders gleichförmiger Schliff. Sind erst einmal Fehler aufgrund eines nachlässigen oder falschen Schliffes auf der Edelstahloberfläche entstanden, können die nachfolgenden Polierschritte diese erfahrungsgemäß nicht mehr ausgleichen.

Edelstahl Reling Hochglanz Luxusyacht auf See

Für das Polieren von Edelstahl empfehlen wir Schnittgeschwindigkeiten von 30 - 35 m/s. Die Arbeitstemperatur soll beim Polieren von Edelstahl ca. 50 - 60° C nicht überschreiten. Bei höheren Temperaturen riskiert man Anlauffarben und irreversible Oberflächenveränderungen, die durch weiteres Polieren häufig nicht mehr auszugleichen sind. Dünne Bleche neigen zudem dazu, sich bei höheren Temperaturen zu verziehen. Eine ungünstige Temperaturentwicklung lässt sich über die Auswahl der Scheibenkonstruktion, die Begrenzung der Kontaktzeiten und die Eintauchtiefe in die Polierscheibe steuern.

Die wichtigste Voraussetzung für einen feinen Spiegelglanz auf Edelstahloberflächen ist es, mehrere aufeinander abgestimmte Polierschritte auszuführen. Entscheidend ist dabei, die Polierpasten zusammen mit den Scheiben in aufeinanderfolgenden Schritten immer weiter zu verfeinern. Dabei soll von Stufe zu Stufe die Schrittgröße zwischen den Korngrößen maximal 100 % betragen (also z. B. von Korn 300 auf Korn 600 bzw. von 600 auf Korn 1200 etc.). Für das Vorpolieren eigenen sich insbesondere Polierscheiben aus Sisal oder Sisal-Nessel. Danach wechselt man für die Hauptpolitur auf Polierscheiben aus festem Baumwollgewebe. Durch das Polieren mit Polierscheiben aus feinstem Molton in nahtfreier Verarbeitung und einer Super Finish Polierpaste erreicht man schließlich edelsten Glanz auf Edelstahl, wie er z. B. im Yachtbau erwünscht ist. Für die Nacharbeit und das Polieren schwer zugänglicher Stellen empfehlen wir unsere breite Auswahl an Polierscheiben für Bohrmaschinen.

Zwischen den Arbeitsschritten entfernt man sorgfältig die gröberen Pastenreste mit etwas Wiener Kalk, bevor man jeweils mit dem nächst feineren Polierschritt beginnt. Zum Schluss werden die Reste der Polierpasten von den hochglänzenden Werkstücken schonend mit einem flusenfreien Mikrofasertuch entfernt.

Haben Sie Geduld mit sich und Ihrer Arbeit auf Edelstahloberflächen! Das Polieren bis zum makellosen Spiegelglanz lässt sich auf Edelstählen leider nicht erzwingen, sondern erfordert Zeit und einiges an Erfahrung. Wie häufig gilt deshalb auch beim Polieren von Edelstahl: weniger = mehr!

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Polieren von Aluminium

Aluminiumflächen müssen vor dem Polieren sehr sorgfältig geschliffen werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Körnung des verwendeten Schleifmittels nur in kleinen Schritten erhöht wird. Zeigen sich beim späteren Polieren Riefen, war der letzte Schliff vor dem Polieren nicht fein genug.

Aluminium Leichtmetallfelgen

Für das Vorpolieren von Aluminium werden insbesondere Polierscheiben aus Sisal-Nessel-Belag oder aus sehr festem Rohbaumwoll-Nessel zusammen mit einer groben Vorpolierpaste wie z. B. Menzerna 439T eingesetzt. Für die Hochglanzpolitur eignen sich bestenfalls ventilierende Polierscheiben aus Molton zusammen mit einer Super-Finish Hochglanzpolierpaste.

Für die Politur von Aluminium empfehlen wir hohe Schnittgeschwindigkeiten von 30 - 50 m/s. Da die Überhitzung von Aluminium zu irreversibler Störung des Metallgitters an der Oberfläche in Verbindung mit einer ungewünschten Oxidation führen kann, müssen unbedingt zu hohe Temperaturen des Metalls vermieden werden. Sollte aufgrund von Überhitzungen beim Polieren die Metalloberfläche gestört worden sein, lassen sich diese Schäden meist nur noch durch ein erneutes Wiederholen des Schliffs reparieren.

Lesen Sie zudem unter dem nachfolgenden Link auch unsere ausführlichen Informationen über das Polieren von Leichtmetallfelgen.

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Polieren von Messing

Messing wird vorwiegend bei der Herstellung von Blechblasinstrumenten, dekorativen Bau- und Möbelbeschlägen, Badarmaturen und in Restaurationsprojekten poliert. Fachkundig durchgeführte Messingpolituren verleihen dem Metall eine zu Gold sehr ähnliche Anmutung. Leider läuft jedoch Messing im Laufe der Zeit wieder an, deshalb muss die Politur regelmäßig wiederholt werden.

Posaunen im Konzertsaal

Für die Politur von Messing wird die Oberfläche zunächst mit Korn 240 - 320 geschliffen. Danach wird sie durch schrittweises Polieren mit einer Abfolge von Polierscheiben zusammen mit den optimal darauf abgestimmten Polierpasten in 2 - 3 Polierschritten zum Hochglanz gebracht. Für das Hochglanzfinish auf Messing haben sich insbesondere Polierscheiben aus vollrunden Blättern, so genannte Schwabbelscheiben zusammen mit der Polierpaste Menzerna 480BLF bewährt. Die empfohlene Schnittgeschwindigkeit auf Messing beträgt ca. 30 - 45 m/s.

Beachten Sie beim Polieren aller Buntmetalle und insbesondere von Messing, dass das Material nicht zu kühl bearbeitet werden sollte. Andererseits darf es sich dabei jedoch niemals überhitzen, denn andernfalls können sich unruhige Oberflächen ausbilden und dadurch den gewünschten, einzigartig tiefen Spiegelglanz der Messingfläche verhindern. Sollte dieser Effekt erst einmal eingetreten sein, hat weiteres Polieren erfahrungsgemäß leider keine verbessernde Wirkung mehr auf das Polierergebnis. Statt dessen müssen dann die Oberflächen erneut mit Hilfe eines geeigneten Feinschliffs für den nächsten Polierversuch vorbereitet werden.

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